Von Fischen, Fischern und Visionen

Juli 27, 2015

Fischer1

Als ich vor fast 25 Jahren zu unterrichten begann, war ich sehr enthusiastisch, sehr nervös und sehr überzeugt davon, die armen Migranten und Migrantinnen unterstützen zu wollen. Ich nahm ihnen viel bis alles ab, machte für sie, statt sie machen zu lassen.

Heute ist der Enthusiasmus ungebrochen. Ich liebe meinen Beruf und habe sehr bald gelernt, dass es meine Aufgabe ist, sie in ihrem Weg zu begleiten, nicht ihn für sie zu gehen. Ganz nach Konfuzius „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“

Ich denke, dass diese Grundhaltung den Menschen gerechter wird und zu Lösungen führt, die wirklich ihre sind. Ich will keine Fische mehr verteilen. Begleite aber gerne Menschen auf ihrem Weg, „fischen“ zu lernen.

Jürg Wyss ist auch kein Fischverteiler, sondern ein Lernbegleiter, ein Mentor mit Leib, Seele und viel Herz. Nach einer Nahtoderfahrung hat er beschlossen, seinen Traum sofort zu verwirklichen: Menschen in Asien zu helfen, sich eine Zukunft aufzubauen. Ziel ist es, den Kandidaten nicht nur Mikrokredite (zinslos) zur Verfügung zu stellen, sondern sie zu begleiten und coachen, damit ihre Geschäftsideen erfolgreich sind.

Aber hört an der Stelle Jürg doch direkt zu:

https://www.indiegogo.com/projects/a-better-future-for-filipinos-philipinerinnen#/story

Wenn genügend Geld für seine #wyssion zusammen kommt, kann er starten. Je mehr Geld zusammen kommt, desto mehr Menschen können am Programm teilnehmen. Und damit sich und ihre Familien ernähren.

Mir liegt viel an dem Projekt, da ich an die Idee glaube und Jürg vertraue. Ich habe auch meinen Beitrag geleistet und werde noch mehr tun, wenn ich kann. Trotzdem fehlt noch Geld.

Jeder Rappen zählt. Viele kleine Beiträge können viel bewirken. Darum würde ich mich über jede noch so kleine Spende enorm freuen!

Herzlichen Dank!

Moni

Blinde Flecken

Februar 16, 2014

Seit der Abstimmung vom letzten Wochenende habe ich des öfteren gehört:

Nein – ich hab nichts gegen Ausländer.  Rassistisch? Sicher nicht!  Wer mir vorwirft, aus Fremdenfeindlichkeit heraus entschieden zu haben, soll doch bitte schön zurück gehen, wenn es ihm hier nicht passt.

Wenige Leute machen mich misstrauischer als die erklärten Nicht-Rassisten. Warum?

Ich unterrichte seit rund 25 Jahren Deutsch. Meine Teilnehmenden sind fremdsprachige Erwachsene, die in der Deutschschweiz leben und deswegen die Sprache lernen wollen oder müssen. Ich lerne so Menschen aus der ganzen Welt kennen. Bis vor anderthalb Jahren unterrichtete ich auch Staatskunde für Leute, die sich in der Schweiz einbürgern lassen wollen. Das Publikum war jeweils höchst heterogen: vom deutschen Dozierenden bis zu fremdsprachigen Teilnehmenden mit nur wenigen Jahren Schulbildung. Erster von fünf Kursabenden. Ich war wie immer deutlich früher dort, um den Raum vorzubereiten und die Teilnehmenden einzeln begrüssen zu können. Sechs waren schon hier: ein älteres Paar aus Deutschland, eine Brasilianerin, ein Paar aus Mazedonien und ein Italiener. Dann kam ein junger Türke. Er sprach Zürichdeutsch wie ich, absolut akzentfrei. Etwa zwanzig Meter hinter ihm seine Frau. Kopftuch, suchte nach den Wörtern, geschätztes Sprachniveau mündlich an der unteren Grenze von B1. Bei mir sprang der gedankliche Autopilot an.

Sie braucht sicher zusätzliche Unterstützung. Gut, im Notfall kann er ihr ja helfen. Und wenn sie fleissig lernt, dann geht das schon.

Am ersten Kursabend arbeitete ich an verschiedenen Lernstationen in Kleingruppen. Eine davon war ein PC. Das türkische Paar ging schon am Anfang zum Computer. Es ging darum, sich mit Cobocards, einem Programm zur Erstellung von Lernkarten auseinanderzusetzen. Sie setzte sich direkt hin, nahm die Maus in die Hand und loggte sich ein. Dann erklärte SIE IHM, zwar mit ein paar Grammatikfehlern, aber absolut richtig, was Föderalismus bedeutet.

Aber ich doch nicht! Stereotypen – nie! Vorurteile – nie! Rassismus – nie! DENKSTE!!!

Sie trug ein Kopftuch, sie sprach schlechter Deutsch als er. Aber sie hatte studiert und war nur hinter ihm ins Zimmer gekommen, weil sie vorher noch auf der Toilette war.

Ja! Ich habe Vorurteile! Ja! Ich falle auf Stereotypen rein! Und Ja! Eine Frau mit Kopftuch, hinter ihrem Mann und mit begrenzten Deutschkenntnissen hat bei mir offenbar etwas ausgelöst!

Schämte ich mich an dem Abend? Ich schlug mir innerlich gegen den Kopf – gaats no! Aber schämen? Nein. Meine Vorurteile sind nicht schlecht, SOLANGE ICH SIE BEMERKE, nochmals hinschaue und revidiere. Und nur das Bewusstsein meiner blinden Flecken bringt mich dazu, mich regelmässig selber zu überprüfen.

Wer ganz sicher ist, keine blinden Flecken zu haben – schaut der denn nochmals hin?

Unterrichten am Morgen nach Lampedusa

Oktober 5, 2013

Da war er wieder mal. Der Moment, der sprachlos macht. Der Moment, in dem die fast 25 Jahre Unterrichtserfahrung nicht gegen die Hilflosigkeit nützen.

Was passiert ist?
Gestern sind im Mittelmeer wieder einmal Menschen ertrunken, die versuchten, nach Europa zu flüchten. Aktuelle Zahlen: etwa 300 Tote. Männer, Frauen mit Kindern, Schwangere. Zusammengepfercht auf einem Schiff, das hoffnungslos überladen war. Grösstenteils Menschen aus Eritrea und Somalia.

Ich unterrichte.

Flüchtlinge.

Aus Eritrea, Somalia, dem Tibet und Sri Lanka.

Im Wissen, dass der Morgen schwierig werden könnte, bin ich doppelt aufmerksam in die Stunde gegangen. Zu meinem Erstaunen war Lampedusa noch kein Thema. Und für mich war es klar, dass nicht ich es zum Thema mache, aber das ich Raum gebe, wenn es zum Thema wird. Aber wie?

In der grossen Pause ist es so weit. Jemand bekommt eine Nachricht. Unruhe. Smartphones werden gezückt.  Bilder und Filme über die Tragödie machen die Runde. Und von einer Sekunde zur anderen habe ich eine Klasse, in der zwei Drittel lautlos weinen oder kurz davor sind und das dritte Drittel nicht versteht, was eigentlich passiert ist.

Auch mir kommen die Tränen. Wirklich vorbereitet bin ich nicht. Mein Kloss im Hals lähmt mich zum Glück nicht. Die zwei, die weinen und gleichzeitig stocksteif sind, nehme ich spontan in den Arm. Dann führe ich die Gruppe zurück in den Kursraum.

Ich möchte und muss der Trauer Raum geben. Habe aber gleichzeitig wenig sprachliche Möglichkeiten. Kerzen anzünden kann ich wegen Feuerschutz nicht.

Musik! Musik und Bilder. Ich starte den Computer und den Beamer, den ich zum Glück zur Verfügung habe und lasse Dinu Lipatti laufen:

Die Verzweifelten werden ruhiger. Ich beginne an eine Flip-Chart eine grosse Kerze zu malen und ein paar Worte zu schreiben. Farbstifte und Papier habe ich im Schrank und lege es hin. Einfach als zusätzliches Angebot – nicht als „Muss“.

Die nicht Betroffenen haben inzwischen verstanden, was passiert ist und tragen die Gruppe in bewundernswerter Art und Weise mit. Ein junger Mann aus Sri Lanka steht auf, um etwas an das Plakat zu schreiben. Andere nehmen Papier, um ihren Abschied zu malen. Sie schreiben Tibetisch, Arabisch, Tigrinia, Herzenssprachen. Malen, werden aktiver, bleiben sitzen, hören, bleiben bei sich.

Die Dunkelheit im Raum wird heller.

Nach einer Dreiviertelstunde wird es Zeit, sanft weiter zu gehen. Wir machen fünf Minuten Pause – öffnen die Fenster. Draussen sieht man ein paar schüchterne Sonnenstrahlen nach dem Regen. Ich erkläre, dass in der letzten Kurshalbstunde alles möglich ist. Individuell an etwas arbeiten, rausgehen und im Innenhof spazieren, weiter malen, Musik hören. Dass ich da bin, dass ich auch nach Kursende noch da bin.

Und so geht es auch weiter. Einige wünschen zu meiner Überraschung recht mechanische Drill-Grammatikübungen. Andere schreiben und malen weiter. Ein paar sitzen einfach da. In sich gekehrt. Still.

Was passiert ist?

Wir sind als Gruppe sicher noch ein Stück näher zusammen gerückt. Grammatik, Lernziele, Vorgaben gingen mir noch nie so am Allerwertesten vorbei wie an diesem Morgen. Statt Unterrichten gab es plötzlich etwas anderes: gegenseitiges Lernen und Aufrichten.

Was bleibt?

Wut.

Wut und Trauer.

Mein „Moodle-Flop“

März 16, 2012
Vorausschicken möchte ich folgendes: Moodle ist an meinem Flop natürlich unschuldig. Ich werde an moodle weiterhin dranbleiben.
Der Kurs, in dem ich moodle ausprobieren wollte, war ein Grundkurs Deutsch als Fremdsprache, der aus 12 Teilnehmenden aus Portugal, Brasilien, Italien, Serbien, Japan, Spanien und Ägypten bestand. Keiner hatte irgendwelche sprachlichen Vorkenntnisse.

Da ich in einem absoluten Anfängerkurs Deutsch anfänglich keine gemeinsame Sprache habe, kann ich Sinn, Zweck und Ziel nicht wirklich erklären. Ich konnte auch nicht fragen, ob sie einen Computer haben, ob sie Mails schreiben, ob sie ein Smartphone besitzen oder ähnliches.

So entschied ich mich zu einem sanften Einstieg. Im Moodle-Kursraum verlinkte ich zu den Themen ABC und zur Vorstellung einige Hot-Potatoes-Übungen und YouTube-Filme. In einer grösseren Werkstatt startete ich zusätzlich zu den anderen Lernstationen zwei Computer mit meinem Konto und richtete sie so ein, dass man die entsprechende Übung, den entsprechenden Film sofort starten konnte. Die Teilnehmenden gingen wie üblich bei einer Werkstatt nach einer kurzen Einführung meinerseits von Station zu Station.

An den Coputern stand ich. Meine Idee: Ich wollte sehen können, wie sich die Teilnehmenden dem Medium nähern, wie sie die Maus in die Hand nehmen, ob überhaupt das feinmechanische Handling funktioniert.

Fazit: Von den zwölf TN reagierten drei spontan mit grossem Interesse. Effektiv ein Konto eröffneten dann zwei.

Sieben haben keinen Computer, hatten noch nie eine Maus in der Hand. Drei davon besitzen zwar ein Smartphone. Mehr als SMS und telefonieren kennen sie aber nicht.

Zwei waren mit der Technik zwar vertraut. Selber aber Primarlehrer, die ihren Beruf vor vielen Jahren in einem eher autoritären Schulsystem ausübten, hatten sie ganz andere Vorstellungen, was Schule sein muss. Die klare Erwartung: Nachsprechen im Chor und Drillübungen müssen sein. Auf Angebote, genau das online machen zu können, gingen sie nicht ein.

Und nun hatte ich den Salat. Die Computernutzung war in der Ausschreibung nirgends vorhanden. Die zwei Lehrer sagten ganz klar, dass sie die Computernutzung „nicht gekauft“ hätten und das nicht wollten. Mit nur zwei Wochenstunden verfügte ich auch nicht wirklich über viel Zeit, um neben dem „Kernziel“ Deutsch mich um den Umgang mit den Werkzeugen zu kümmern. Zudem waren relativ grundlegende Techniken wie Wörter im Wörterbuch nachschlagen (egal ob elektronisch oder Buch) vielen nicht vertraut.

Mit nur zwei im Moodle eingeschriebenen ging mir der ganze positive Teil der Interaktion, die im Moodle möglich wäre, flöten. Es war nicht möglich, denjenigen ohne Infrastruktur von Seiten der Institution her etwas zur Verfügung zu stellen. Dazu hatte ich mit beträchtlichen Frustrationen meinerseits zu kämpfen.

Und nun?

Ich entschied mich zu einer veränderten Vorgehensweise und habe meine eigenen Erwartungen massiv runtergeschraubt. Während jeder Lektion waren vier Computer eingeschaltet und betriebsbereit. Einfach um die Möglichkeit der Benutzung auch ohne grosse Worte auszudrücken. Werkstattunterricht habe ich regelmässig durchgeführt und die Computer für einfache Hot-Potatoes-Übungen aber den mediengewohnteren Möglichkeiten zur Recherche, Podcasts etc. gezeigt.

Mit der Zeit hat sich dann ergeben, dass eine der computer-vertrauten Teilnehmerinnen bei einigen Übungen eine der computer-fremden an die Hand genommen hat und sich mit ihr an die Maschine gesetzt hat. Sie getraut sich jetzt noch nicht, einen Computer selber einzuschalten. Aber sie ist bei einfacher, sehr mechanischer Aufgabenstellung inzwischen mutig genug und fähig, die Maus zu bedienen. Dass sie selber einen kaufen wird. denke ich allerdings nicht, wobei das in erster Linie an der familiären Struktur liegt.

Mein Fazit?

Ich habe natürlich viel gelernt. Einerseits musste ich mich wieder mal dem Frust aussetzen, wenn es NICHT funktioniert. Dann habe ich aber gemerkt, dass es stark an meinen eigenen Erwartungen und Zielen lag. Statt abzuwarten was kommt, zu sehen, was da ist, habe ich mir viel zu viel vorgestellt und vorgenommen. Statt einfach den Rahmen zu bieten, damit Dinge geschehen können, habe ich Rahmen gesetzt, die einengen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich moodle zukünftig nicht mehr einsetzen werde. Ich sehe im Moment folgende Möglichkeiten:

  • Entweder ein klar deklarierter und auch so ausgeschriebener Kurs ab Niveau Deutsch B1. Da ist eine gemeinsame Sprache bereits vorhanden. Erfahrungsgemäss verfügen ab diesem Niveau auch die meisten Teilnehmende über einen Computer.
  • Moodle würde ich auch zukünftig in einem Anfängerkurs einsetzen. Aber nur wenn ich eine minimale Medienaffinität (die TN z.B. Facebook nutzen) schon feststellen kann und Infrastruktur und Interesse da sind. Ohne bereits einen ganzen Kurs zu entwerfen und dadurch einzuengen, sondern am Anfang vielleicht nur via Raufladen der Materialien: Pdf-Schleuder halt.

Mal schauen, was passieren wird. Vielleicht melde ich mich irgendwann wieder mit einer Erfolgsmeldung, vielleicht mit dem Bericht einer weiteren Durch-Flopp-Lernerfahrung meinerseits.

Animancas, Nanomania oder was macht ein Spiel wertvoll?

Februar 20, 2012

Wie schon erwähnt – wir haben keine Kinder.

Dank unserer Nachbarn haben wir aber viel Kontakt. Was zu gewinnbringenden Situationen für alle führt: Unsere Nachbarin kann die Kinder auch mal vor den Ferien uns raufschicken, wenn sie in Ruhe packen möchte. Die Kinder geniessen es, wir geniessen es und alle sind zufrieden.

Dank dieser Beziehungen hat sich auch uns wiedermal die Frage nach Animancas oder keine Animancas gestellt. Zu Beginn der Aktion war ich unschlüssig. Einerseits widerstrebt mir das zugegeben erfolgreiche Marketing via Lockvogel Kind. Andererseits schon wieder so ein Plastikzeugs. Und überhaupt – was soll an dem Spiel wertvoll und/oder pädagogisch sein?

Einen Tag später ging ich kurz bei meinen Nachbarn vorbei. Und da sah ich folgendes: Die Kinder hatten die alten Nanos reaktiviert. Nicht in der Form, wie sich die Migros vielleicht ursprünglich gedacht hatte. Sie hatten mit Tüchern eine Wasserlandschaft gestaltet und allen blauen dort aufgestellt. Mit Legofiguren eine technische Umwelt, in die sie alle roboter- und maschinenartigen gesetzt haben. Draussen Gras und Blätter geholt, um für die grünen Nanos einen Urwald zu bastelt etc. Das alles zu dritt, aushandelnd, kooperativ, inklusive Rollenspiele.

Heute war ich wieder in der Migros. Ich habe die Animanca-Steine genommen. Weil ich eins gelernt habe: Es geht gar nicht so sehr um meine Ideen, was man mit Spielzeug anfangen könnte. Es geht auch nicht um meine Vorstellungen von wertvollem Spielzeug. Die drei Kinder sind nämlich viel schlauer, kreativer und wacher als ich. Wenn man sie nur machen lässt, machen sie aus dem totesten Plastikklumpen ein wertvolles Spielzeug.

Monis Moot

Mai 2, 2011

Spät komme ich, aber ich komme noch.

Seit Ewigkeiten nichts mehr geschrieben, vor Wochen schon an der MoodleMoot in Elmshorn teilgenommen und nun erst die ersten Gedanken-, Gefühls- und Irgendwas-Brocken.

Vieles hat mich an der Moodlemoot fasziniert, vieles ist mir irgendwo zwischen Bauch, Herz und Kopf hängen geblieben. Konkretisiert in den Händen hat sich noch nichts.

Vielleicht hat es mit meiner Situation zu tun. Ich bin noch selber ein relativer Moodle-Frischling. Habe zwar doch schon vor 2 Jahren bei Max Woodtli einen Kurs gemacht  (Danke Max!) und dort begonnen mich auch mit moodle und Lernbegleitung zu befassen. Der Deutschkurs, in dem ich meine moodle-Kenntnisse ausprobieren wollte, ist dann aber kurz darauf zusammen gekracht. Ich bin also mit einem guten Boden, aber sehr wenig Erfahrung zur Moot gefahren.

Im Herbst ist nun ein neuer Kurs geplant: Deutsch Grundkurs 1, zwei Abende pro Woche, an einem Abend unterrichte ich und am anderen Abend eine Kollegin. Es handelt sich um Deutsch als Fremdsprache. Eine Gruppe kann also beispielsweise so aussehen:

  • 14 Teilnehmende mit 14 verschiedenen Muttersprachen, aber keine Deutschkenntnisse
  • Ich habe am Anfang also keine gemeinsame Sprache, um den Teilnehmenden irgendetwas zu erklären.
  • Vorkenntnisse mit (elektronischen) Medien kann ich nicht voraussetzen. Von Teilnehmenden, die noch nie einen Computer auch nur eingeschaltet haben bis zu fremdsprachigen Informatikern habe ich schon alles erlebt. Am wahrscheinlichsten ist ein bunter Mix.

Dazu kommt, dass ich noch nie mit meiner Kollegin zusammengearbeitet habe und nur 4 Computer zur Verfügung habe. Und da möchte ich moodle einsetzen? Bin ich verrückt oder spinn‘ ich nur ein kleines Bisschen?

An der MoodleMoot habe ich unter anderem Sebastian Netta besucht, Jazzmusiker, Lehrer, Nachdenker. Titel seiner Veranstaltung: „Creative Learning – Improvisation als Grundprinzip – Was die Schule vom Jazz lernen kann!“ Ich wollte keine „Kochrezepte“ bekommen, die ich eins zu eins anwenden kann, sondern mir etwas anschauen, was mir vielleicht fremd ist. Und so fremd war es mir dann schlussendlich gar nicht. „You don’t get Jazz, Jazz gets you.“ Eigentlich ist doch v.a. das meine Aufgabe: Settings herzustellen, in denen meine Teilnehmenden von Deutsch/Schweizerdeutsch gepackt werden können. Man sagt sogar auf Schweizerdeutsch: Es ziet mir de Ärmel ine. Es zieht mir den Ärmel rein. Was nichts anderes bedeutet, als dass man von etwas völlig begeistert, gefangen ist. Und auch mir selber gegenüber toleranter zu sein: Fehler in der Jazzmusik? Fehler im Deutsch-Lernen und -Lehren? Wann sind denn Fehler Fehler und nicht einfach andere Wege nach Rom?

Und so schaue ich heute mit einem ganz anderen Bauchgefühl meinem Kurs entgegen – wenn er denn genug Teilnehmende haben sollte. Den bunten Mix als Chance begreifend, bunte Bilder gefallen mir eh besser. Und mit schwummriger, lampenfiebriger Vorfreude – gespannt auf all die Improvisationen, die da kommen werden.

Die Rolle von moodle? So viel wie möglich, aber nicht möglichst raffiniert, sondern den Teilnehmenden entsprechend. Und das kann je nach Sozialisation mit dem Medium auch „nur“ eine pdf-Schleuder sein 😉 Der Rest wird sich zeigen.

Berichte meiner Bauchlandungen und Höhenflüge werden folgen.

Ich lerne also bin ich

April 21, 2009

Wir haben keine Kinder.

So sind wir am Karfreitag mit unseren Nachbarn und ihren drei Kindern (6,4,2) ins Naturama Aarau gefahren. Sonderausstellung mit „Bibeli“ (Schweizerdeutsch = Küken) und Kaninchen, normale Ausstellung mit vielen verschiedenen Stationen, wo man selbst gesteuert etwas über den Kanton Aargau, seine Geografie, Topografie und Biologie lernen kann.

Ich sitze vor einem der computer-unterstützten Stationen und überlege mir noch, wie das Ganze funktionieren könnte. Nik – 2 Jahre alt – tappst freudig auf mich zu und ehe ich richtig weiss, wie mir eigentlich geschieht, sitzt er schon auf meinem Schoss. Der Touchscreen fasziniert ihn. Innerhalb kürzester Zeit trifft er intutitiv fast immer mit seinen kleinen Fingerchen das Dreieck, mit dem man sich auf die nächste Seite bewegt. Worauf er sich zu mir umdreht, mich anstrahlt und lachend „omputer“ sagt.

Nik und mein Mann

Ich bin hin und weg, lache, lächle, schmelze dahin, ziehe innerlich den Hut vor diesem Mini-Menschen. Wie oft bin ich mir selber im Weg gestanden. „Ich kann das nicht, habe doch nie einen Computer-Kurs gemacht, wo beginn ich überhaupt, ich mache das sicher völlig falsch und kompliziert.“

Was nehme ich mit: Kinder wollen lernen. Aber nicht nur Kinder. Wenn Lernen selbst bestimmt stattfindet, dann wollen wir’s wohl alle. Doch gerade dieses selbst bestimmt ist nicht so einfach und klar zu erreichen.

Ich will lernen. Ich will lernen was ich will. Vielleicht stürze ich mich deswegen so in meine aktuelle Weiterbildung, weil ich sie nicht auf mehr oder weniger deutliche Aufforderung besuche, sondern weil ich sie will. Und so geniesse ich risikoscheuer Angsthase es auch, mich auf fremde, neue Wege und Formen wie beispielsweise das Bloggen einzulassen.

A propos Bloggen. Als Teenager war ich fleissige Tagebuchschreiberin. Den Blog nehme ich dennoch als etwas Anderes wahr. Das Tagebuch war ganz klar und eindeutig ein Gespräch mit mir selber, der Blog hingegen ist ein Selbstgespräch mit dem Potential des Dialogs. Ich äussere zwar meine Gedanken und Erfahrungen in fast tagebuchartiger Form, schicke sie aber in den potentiell öffentlichen Raum hinaus. Ich kann gelesen werden – ich weiss aber nicht, ob das passiert. Ich lasse einen Ballon los, ich sehe ihn dort oben und weiss, dass er genommen werden könnte. Aber macht das jemand auch wirklich oder bleibt mein Ballon heisse Luft? Und diese Art Schwebezustand muss zuerst mal ausgehalten werden. Darum vielleicht meine „Ladehemmungen“ beim ersten Versuch.

Dann auch wirklich gelesen zu werden und Antworten zu bekommen hat Verschiedenes ausgelöst: Einerseits bares Erstaunen, obwohl ich ja wusste, dass das passieren kann. Aber „wissen“ und „erfahren“ sind doch verschiedene Dinge. Andererseits Freude über die Motivationsspritzen. Aber auch wenn ich nicht gelesen werde – zwischendurch würd‘ ich inzwischen wohl dennoch schreiben. Ballone fliegen zu lassen ist manchmal so oder so schön. Einfach um des Fliegens willen.

Was kann mir denn schon passieren? Höchstens, dass ich irgendwo einen Fehler mache. Und bekanntlicherweise sind ja Fehler auch nur ein Indikator dafür, wo wir im Lernprozess stehen.

Ich bin also lerne ich.

Darum: Ich bleibe dran.

Moni

Monis Lern-Denk-Blog

April 14, 2009

Ich blogge also lerne ich?

Meine ersten Schritte, mein erster Blog und ich sitz wieder mal wie der Esel vor dem Berg. Ob ich je freiwillig und einfach so zum Bloggen gekommen wäre? Ich weiss es nicht. Aber es gehört zu einer meiner Hausaufgaben in meiner Ausbildung zur E-moderatorin. Und grundsätzlich lasse ich mich ja gerne auf Experimente ein, finde es nötig, mich regelmässig auf die Seite der Lernenden und vielleicht auch Unsicheren zu begehen, da ich selber Erwachsenenbildnerin bin.

dsc000081

Dazu kommt, dass ich von meinem Schreibtisch aus einen grandiosen Blick aufs Schloss Lenzburg habe. Und der „Berg“ hat mich schon immer  einfach zum Staunen und Bewundern gebracht, nie gebremst. Manchmal ist ja „Esel am Berg“ sein durchaus nicht nur negativ. Im Gegenteil – es gibt Momente – da finde ich es ganz spannend, mir bei meinem eigenen Stolpern über die Schultern zu schauen.

Ausserdem ist zum jetzigen Zeitpunkt noch eine relativ starke Steuerung innerhalb der Aufgabe vorhanden – wofür ich jetzt auch noch dankbar bin. Ich kann mich jetzt also noch einem Gerüst entlang hangeln. Bei Gelegenheit werde ich das dann schon verlassen 😉

Also: Was gibt es zu tun:

1. Über meine ersten Erfahrungen zum Thema PLE schreiben.
2. Überlegen, wie ich Social Bookmarkin, PLEs und Blogs in meinem Unterricht einsetzen könnte.
3. Meinen Blog mit anderen Blogs und Webseiten verlinken und wenn möglich andere Medien einfügen.

Meine ersten Erfahrungen zum Thema PLE? Bis vor kurzem ein Fremdwort. Als ich mir dann eine Umgebung einrichten sollte, habe ich gemerkt, dass es gar nicht so neu ist. Der Provider, über den ich normalerweise alles abwickle, hat schon längst auf google umgestellt. So war mir diese Oberfläche bereits bekannt und ich habe intuitiv einige Gadgets eingeführt – ohne zu wissen, wie das heisst, was ich da tue. Eigentlich aber umfasst PLE ja noch viel mehr als den virtuellen Anteil einer schönen Plattform mit vielen Gadgets. Ich brauche den reellen, physischen, mit allen Kanälen wahrnehmbaren Kontakt genau so. Mal mit Kollegen informell auf dem Schulhausgang zu plaudern, heimzukommen und meinem Mann zu erzählen, welche für mich neuen Schritte ich gemacht habe, den Nachbarskindern (4 und 6) zu erklären, was ich da mit dem Computer mache und dabei zu spüren, wie schwer aber auch schön und lehrreich das ist. Die Plattform unterstützt mich sicher nicht unerheblich im Umgang mit der Informationsflut – Augenkontakt bietet sie aber noch keinen.

Ideen zum Einsatz im Unterricht? Da wird es schon schwieriger. Nicht, weil ich keine hätte. Aber da macht mir die Tatsache, dass ein Blog grosse Öffentlichkeit erreichen kann, Schwierigkeiten. Ich hatte keine Probleme, Ideen innerhalb unserer nicht öffentlichen Blogs in unserer Lerngruppe zu äussern. Mir ist aber noch nicht so klar, wie ich hier etwas beschreiben soll, ohne meine Teilnehmenden der  Öffentlichkeit auszusetzen. Klar würde ich so oder so keine Namen nennen – mir ist aber trotzdem nicht wohl dabei. Und darum lasse ich es einfach noch ein bisschen in meinem Hinterkopf ruhen/arbeiten bis ich mich äussere oder eben auch nicht.

Ein Bild habe ich nun ja schon eingefügt – Links zu anderen Seiten und Blogs einzufügen fällt mir im Moment noch schwer, weil ich mich erst selber orientiere. Aber das wird folgen – versprochen.

Ich blogge – also lerne ich? Ich denke schon, dass das zutrifft. Umsetzen in Sprache ordnet Diffuses, öffnet vielleicht auch neue Gedankenstränge. Und insofern bin ich froh, mich auf das Experiment einzulassen.