Ich lerne also bin ich

Wir haben keine Kinder.

So sind wir am Karfreitag mit unseren Nachbarn und ihren drei Kindern (6,4,2) ins Naturama Aarau gefahren. Sonderausstellung mit „Bibeli“ (Schweizerdeutsch = Küken) und Kaninchen, normale Ausstellung mit vielen verschiedenen Stationen, wo man selbst gesteuert etwas über den Kanton Aargau, seine Geografie, Topografie und Biologie lernen kann.

Ich sitze vor einem der computer-unterstützten Stationen und überlege mir noch, wie das Ganze funktionieren könnte. Nik – 2 Jahre alt – tappst freudig auf mich zu und ehe ich richtig weiss, wie mir eigentlich geschieht, sitzt er schon auf meinem Schoss. Der Touchscreen fasziniert ihn. Innerhalb kürzester Zeit trifft er intutitiv fast immer mit seinen kleinen Fingerchen das Dreieck, mit dem man sich auf die nächste Seite bewegt. Worauf er sich zu mir umdreht, mich anstrahlt und lachend „omputer“ sagt.

Nik und mein Mann

Ich bin hin und weg, lache, lächle, schmelze dahin, ziehe innerlich den Hut vor diesem Mini-Menschen. Wie oft bin ich mir selber im Weg gestanden. „Ich kann das nicht, habe doch nie einen Computer-Kurs gemacht, wo beginn ich überhaupt, ich mache das sicher völlig falsch und kompliziert.“

Was nehme ich mit: Kinder wollen lernen. Aber nicht nur Kinder. Wenn Lernen selbst bestimmt stattfindet, dann wollen wir’s wohl alle. Doch gerade dieses selbst bestimmt ist nicht so einfach und klar zu erreichen.

Ich will lernen. Ich will lernen was ich will. Vielleicht stürze ich mich deswegen so in meine aktuelle Weiterbildung, weil ich sie nicht auf mehr oder weniger deutliche Aufforderung besuche, sondern weil ich sie will. Und so geniesse ich risikoscheuer Angsthase es auch, mich auf fremde, neue Wege und Formen wie beispielsweise das Bloggen einzulassen.

A propos Bloggen. Als Teenager war ich fleissige Tagebuchschreiberin. Den Blog nehme ich dennoch als etwas Anderes wahr. Das Tagebuch war ganz klar und eindeutig ein Gespräch mit mir selber, der Blog hingegen ist ein Selbstgespräch mit dem Potential des Dialogs. Ich äussere zwar meine Gedanken und Erfahrungen in fast tagebuchartiger Form, schicke sie aber in den potentiell öffentlichen Raum hinaus. Ich kann gelesen werden – ich weiss aber nicht, ob das passiert. Ich lasse einen Ballon los, ich sehe ihn dort oben und weiss, dass er genommen werden könnte. Aber macht das jemand auch wirklich oder bleibt mein Ballon heisse Luft? Und diese Art Schwebezustand muss zuerst mal ausgehalten werden. Darum vielleicht meine „Ladehemmungen“ beim ersten Versuch.

Dann auch wirklich gelesen zu werden und Antworten zu bekommen hat Verschiedenes ausgelöst: Einerseits bares Erstaunen, obwohl ich ja wusste, dass das passieren kann. Aber „wissen“ und „erfahren“ sind doch verschiedene Dinge. Andererseits Freude über die Motivationsspritzen. Aber auch wenn ich nicht gelesen werde – zwischendurch würd‘ ich inzwischen wohl dennoch schreiben. Ballone fliegen zu lassen ist manchmal so oder so schön. Einfach um des Fliegens willen.

Was kann mir denn schon passieren? Höchstens, dass ich irgendwo einen Fehler mache. Und bekanntlicherweise sind ja Fehler auch nur ein Indikator dafür, wo wir im Lernprozess stehen.

Ich bin also lerne ich.

Darum: Ich bleibe dran.

Moni

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3 Antworten to “Ich lerne also bin ich”

  1. Bea Schweighauser Says:

    schönes Beispiel! Kinder und Computer: unsere Tochter; Madlaina 4jährig; hat heute innert 10 Minuten gelernt, wie man die Maus und Tastatur bedient, um bei toggolino.de ein Memory zu starten und zu spielen! Die Neugier ist bei den Kindern die Lernmotivation und so geht es mir auch; was mich neugierig macht und g’luschtig, das lerne ich mit einer hohen Motivation… wie das e-learning 🙂 Grüsse Bea

  2. adrianvilliger Says:

    „…ballone fliegen zu lassen ist manchmal so oder so schön….“
    genau! ich wünsche dir weiterhin viel spass beim bloggen und natürlich viele lehrreiche momente in max’s kurs 😉 – herzlich, adrian

  3. Hagen Glatzle Says:

    Hallo Moni,
    Sehr schön geschrieben. Haben auch einen 2-Jährigen :-). Lernen macht einfach Freude 🙂 „Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen Büffeln.“ Erich Kästner
    Gruß Hagen

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