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Mein „Moodle-Flop“

März 16, 2012
Vorausschicken möchte ich folgendes: Moodle ist an meinem Flop natürlich unschuldig. Ich werde an moodle weiterhin dranbleiben.
Der Kurs, in dem ich moodle ausprobieren wollte, war ein Grundkurs Deutsch als Fremdsprache, der aus 12 Teilnehmenden aus Portugal, Brasilien, Italien, Serbien, Japan, Spanien und Ägypten bestand. Keiner hatte irgendwelche sprachlichen Vorkenntnisse.

Da ich in einem absoluten Anfängerkurs Deutsch anfänglich keine gemeinsame Sprache habe, kann ich Sinn, Zweck und Ziel nicht wirklich erklären. Ich konnte auch nicht fragen, ob sie einen Computer haben, ob sie Mails schreiben, ob sie ein Smartphone besitzen oder ähnliches.

So entschied ich mich zu einem sanften Einstieg. Im Moodle-Kursraum verlinkte ich zu den Themen ABC und zur Vorstellung einige Hot-Potatoes-Übungen und YouTube-Filme. In einer grösseren Werkstatt startete ich zusätzlich zu den anderen Lernstationen zwei Computer mit meinem Konto und richtete sie so ein, dass man die entsprechende Übung, den entsprechenden Film sofort starten konnte. Die Teilnehmenden gingen wie üblich bei einer Werkstatt nach einer kurzen Einführung meinerseits von Station zu Station.

An den Coputern stand ich. Meine Idee: Ich wollte sehen können, wie sich die Teilnehmenden dem Medium nähern, wie sie die Maus in die Hand nehmen, ob überhaupt das feinmechanische Handling funktioniert.

Fazit: Von den zwölf TN reagierten drei spontan mit grossem Interesse. Effektiv ein Konto eröffneten dann zwei.

Sieben haben keinen Computer, hatten noch nie eine Maus in der Hand. Drei davon besitzen zwar ein Smartphone. Mehr als SMS und telefonieren kennen sie aber nicht.

Zwei waren mit der Technik zwar vertraut. Selber aber Primarlehrer, die ihren Beruf vor vielen Jahren in einem eher autoritären Schulsystem ausübten, hatten sie ganz andere Vorstellungen, was Schule sein muss. Die klare Erwartung: Nachsprechen im Chor und Drillübungen müssen sein. Auf Angebote, genau das online machen zu können, gingen sie nicht ein.

Und nun hatte ich den Salat. Die Computernutzung war in der Ausschreibung nirgends vorhanden. Die zwei Lehrer sagten ganz klar, dass sie die Computernutzung „nicht gekauft“ hätten und das nicht wollten. Mit nur zwei Wochenstunden verfügte ich auch nicht wirklich über viel Zeit, um neben dem „Kernziel“ Deutsch mich um den Umgang mit den Werkzeugen zu kümmern. Zudem waren relativ grundlegende Techniken wie Wörter im Wörterbuch nachschlagen (egal ob elektronisch oder Buch) vielen nicht vertraut.

Mit nur zwei im Moodle eingeschriebenen ging mir der ganze positive Teil der Interaktion, die im Moodle möglich wäre, flöten. Es war nicht möglich, denjenigen ohne Infrastruktur von Seiten der Institution her etwas zur Verfügung zu stellen. Dazu hatte ich mit beträchtlichen Frustrationen meinerseits zu kämpfen.

Und nun?

Ich entschied mich zu einer veränderten Vorgehensweise und habe meine eigenen Erwartungen massiv runtergeschraubt. Während jeder Lektion waren vier Computer eingeschaltet und betriebsbereit. Einfach um die Möglichkeit der Benutzung auch ohne grosse Worte auszudrücken. Werkstattunterricht habe ich regelmässig durchgeführt und die Computer für einfache Hot-Potatoes-Übungen aber den mediengewohnteren Möglichkeiten zur Recherche, Podcasts etc. gezeigt.

Mit der Zeit hat sich dann ergeben, dass eine der computer-vertrauten Teilnehmerinnen bei einigen Übungen eine der computer-fremden an die Hand genommen hat und sich mit ihr an die Maschine gesetzt hat. Sie getraut sich jetzt noch nicht, einen Computer selber einzuschalten. Aber sie ist bei einfacher, sehr mechanischer Aufgabenstellung inzwischen mutig genug und fähig, die Maus zu bedienen. Dass sie selber einen kaufen wird. denke ich allerdings nicht, wobei das in erster Linie an der familiären Struktur liegt.

Mein Fazit?

Ich habe natürlich viel gelernt. Einerseits musste ich mich wieder mal dem Frust aussetzen, wenn es NICHT funktioniert. Dann habe ich aber gemerkt, dass es stark an meinen eigenen Erwartungen und Zielen lag. Statt abzuwarten was kommt, zu sehen, was da ist, habe ich mir viel zu viel vorgestellt und vorgenommen. Statt einfach den Rahmen zu bieten, damit Dinge geschehen können, habe ich Rahmen gesetzt, die einengen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich moodle zukünftig nicht mehr einsetzen werde. Ich sehe im Moment folgende Möglichkeiten:

  • Entweder ein klar deklarierter und auch so ausgeschriebener Kurs ab Niveau Deutsch B1. Da ist eine gemeinsame Sprache bereits vorhanden. Erfahrungsgemäss verfügen ab diesem Niveau auch die meisten Teilnehmende über einen Computer.
  • Moodle würde ich auch zukünftig in einem Anfängerkurs einsetzen. Aber nur wenn ich eine minimale Medienaffinität (die TN z.B. Facebook nutzen) schon feststellen kann und Infrastruktur und Interesse da sind. Ohne bereits einen ganzen Kurs zu entwerfen und dadurch einzuengen, sondern am Anfang vielleicht nur via Raufladen der Materialien: Pdf-Schleuder halt.

Mal schauen, was passieren wird. Vielleicht melde ich mich irgendwann wieder mit einer Erfolgsmeldung, vielleicht mit dem Bericht einer weiteren Durch-Flopp-Lernerfahrung meinerseits.

Monis Moot

Mai 2, 2011

Spät komme ich, aber ich komme noch.

Seit Ewigkeiten nichts mehr geschrieben, vor Wochen schon an der MoodleMoot in Elmshorn teilgenommen und nun erst die ersten Gedanken-, Gefühls- und Irgendwas-Brocken.

Vieles hat mich an der Moodlemoot fasziniert, vieles ist mir irgendwo zwischen Bauch, Herz und Kopf hängen geblieben. Konkretisiert in den Händen hat sich noch nichts.

Vielleicht hat es mit meiner Situation zu tun. Ich bin noch selber ein relativer Moodle-Frischling. Habe zwar doch schon vor 2 Jahren bei Max Woodtli einen Kurs gemacht  (Danke Max!) und dort begonnen mich auch mit moodle und Lernbegleitung zu befassen. Der Deutschkurs, in dem ich meine moodle-Kenntnisse ausprobieren wollte, ist dann aber kurz darauf zusammen gekracht. Ich bin also mit einem guten Boden, aber sehr wenig Erfahrung zur Moot gefahren.

Im Herbst ist nun ein neuer Kurs geplant: Deutsch Grundkurs 1, zwei Abende pro Woche, an einem Abend unterrichte ich und am anderen Abend eine Kollegin. Es handelt sich um Deutsch als Fremdsprache. Eine Gruppe kann also beispielsweise so aussehen:

  • 14 Teilnehmende mit 14 verschiedenen Muttersprachen, aber keine Deutschkenntnisse
  • Ich habe am Anfang also keine gemeinsame Sprache, um den Teilnehmenden irgendetwas zu erklären.
  • Vorkenntnisse mit (elektronischen) Medien kann ich nicht voraussetzen. Von Teilnehmenden, die noch nie einen Computer auch nur eingeschaltet haben bis zu fremdsprachigen Informatikern habe ich schon alles erlebt. Am wahrscheinlichsten ist ein bunter Mix.

Dazu kommt, dass ich noch nie mit meiner Kollegin zusammengearbeitet habe und nur 4 Computer zur Verfügung habe. Und da möchte ich moodle einsetzen? Bin ich verrückt oder spinn‘ ich nur ein kleines Bisschen?

An der MoodleMoot habe ich unter anderem Sebastian Netta besucht, Jazzmusiker, Lehrer, Nachdenker. Titel seiner Veranstaltung: „Creative Learning – Improvisation als Grundprinzip – Was die Schule vom Jazz lernen kann!“ Ich wollte keine „Kochrezepte“ bekommen, die ich eins zu eins anwenden kann, sondern mir etwas anschauen, was mir vielleicht fremd ist. Und so fremd war es mir dann schlussendlich gar nicht. „You don’t get Jazz, Jazz gets you.“ Eigentlich ist doch v.a. das meine Aufgabe: Settings herzustellen, in denen meine Teilnehmenden von Deutsch/Schweizerdeutsch gepackt werden können. Man sagt sogar auf Schweizerdeutsch: Es ziet mir de Ärmel ine. Es zieht mir den Ärmel rein. Was nichts anderes bedeutet, als dass man von etwas völlig begeistert, gefangen ist. Und auch mir selber gegenüber toleranter zu sein: Fehler in der Jazzmusik? Fehler im Deutsch-Lernen und -Lehren? Wann sind denn Fehler Fehler und nicht einfach andere Wege nach Rom?

Und so schaue ich heute mit einem ganz anderen Bauchgefühl meinem Kurs entgegen – wenn er denn genug Teilnehmende haben sollte. Den bunten Mix als Chance begreifend, bunte Bilder gefallen mir eh besser. Und mit schwummriger, lampenfiebriger Vorfreude – gespannt auf all die Improvisationen, die da kommen werden.

Die Rolle von moodle? So viel wie möglich, aber nicht möglichst raffiniert, sondern den Teilnehmenden entsprechend. Und das kann je nach Sozialisation mit dem Medium auch „nur“ eine pdf-Schleuder sein 😉 Der Rest wird sich zeigen.

Berichte meiner Bauchlandungen und Höhenflüge werden folgen.