Posts Tagged ‘lernen’

Animancas, Nanomania oder was macht ein Spiel wertvoll?

Februar 20, 2012

Wie schon erwähnt – wir haben keine Kinder.

Dank unserer Nachbarn haben wir aber viel Kontakt. Was zu gewinnbringenden Situationen für alle führt: Unsere Nachbarin kann die Kinder auch mal vor den Ferien uns raufschicken, wenn sie in Ruhe packen möchte. Die Kinder geniessen es, wir geniessen es und alle sind zufrieden.

Dank dieser Beziehungen hat sich auch uns wiedermal die Frage nach Animancas oder keine Animancas gestellt. Zu Beginn der Aktion war ich unschlüssig. Einerseits widerstrebt mir das zugegeben erfolgreiche Marketing via Lockvogel Kind. Andererseits schon wieder so ein Plastikzeugs. Und überhaupt – was soll an dem Spiel wertvoll und/oder pädagogisch sein?

Einen Tag später ging ich kurz bei meinen Nachbarn vorbei. Und da sah ich folgendes: Die Kinder hatten die alten Nanos reaktiviert. Nicht in der Form, wie sich die Migros vielleicht ursprünglich gedacht hatte. Sie hatten mit Tüchern eine Wasserlandschaft gestaltet und allen blauen dort aufgestellt. Mit Legofiguren eine technische Umwelt, in die sie alle roboter- und maschinenartigen gesetzt haben. Draussen Gras und Blätter geholt, um für die grünen Nanos einen Urwald zu bastelt etc. Das alles zu dritt, aushandelnd, kooperativ, inklusive Rollenspiele.

Heute war ich wieder in der Migros. Ich habe die Animanca-Steine genommen. Weil ich eins gelernt habe: Es geht gar nicht so sehr um meine Ideen, was man mit Spielzeug anfangen könnte. Es geht auch nicht um meine Vorstellungen von wertvollem Spielzeug. Die drei Kinder sind nämlich viel schlauer, kreativer und wacher als ich. Wenn man sie nur machen lässt, machen sie aus dem totesten Plastikklumpen ein wertvolles Spielzeug.

Monis Moot

Mai 2, 2011

Spät komme ich, aber ich komme noch.

Seit Ewigkeiten nichts mehr geschrieben, vor Wochen schon an der MoodleMoot in Elmshorn teilgenommen und nun erst die ersten Gedanken-, Gefühls- und Irgendwas-Brocken.

Vieles hat mich an der Moodlemoot fasziniert, vieles ist mir irgendwo zwischen Bauch, Herz und Kopf hängen geblieben. Konkretisiert in den Händen hat sich noch nichts.

Vielleicht hat es mit meiner Situation zu tun. Ich bin noch selber ein relativer Moodle-Frischling. Habe zwar doch schon vor 2 Jahren bei Max Woodtli einen Kurs gemacht  (Danke Max!) und dort begonnen mich auch mit moodle und Lernbegleitung zu befassen. Der Deutschkurs, in dem ich meine moodle-Kenntnisse ausprobieren wollte, ist dann aber kurz darauf zusammen gekracht. Ich bin also mit einem guten Boden, aber sehr wenig Erfahrung zur Moot gefahren.

Im Herbst ist nun ein neuer Kurs geplant: Deutsch Grundkurs 1, zwei Abende pro Woche, an einem Abend unterrichte ich und am anderen Abend eine Kollegin. Es handelt sich um Deutsch als Fremdsprache. Eine Gruppe kann also beispielsweise so aussehen:

  • 14 Teilnehmende mit 14 verschiedenen Muttersprachen, aber keine Deutschkenntnisse
  • Ich habe am Anfang also keine gemeinsame Sprache, um den Teilnehmenden irgendetwas zu erklären.
  • Vorkenntnisse mit (elektronischen) Medien kann ich nicht voraussetzen. Von Teilnehmenden, die noch nie einen Computer auch nur eingeschaltet haben bis zu fremdsprachigen Informatikern habe ich schon alles erlebt. Am wahrscheinlichsten ist ein bunter Mix.

Dazu kommt, dass ich noch nie mit meiner Kollegin zusammengearbeitet habe und nur 4 Computer zur Verfügung habe. Und da möchte ich moodle einsetzen? Bin ich verrückt oder spinn‘ ich nur ein kleines Bisschen?

An der MoodleMoot habe ich unter anderem Sebastian Netta besucht, Jazzmusiker, Lehrer, Nachdenker. Titel seiner Veranstaltung: „Creative Learning – Improvisation als Grundprinzip – Was die Schule vom Jazz lernen kann!“ Ich wollte keine „Kochrezepte“ bekommen, die ich eins zu eins anwenden kann, sondern mir etwas anschauen, was mir vielleicht fremd ist. Und so fremd war es mir dann schlussendlich gar nicht. „You don’t get Jazz, Jazz gets you.“ Eigentlich ist doch v.a. das meine Aufgabe: Settings herzustellen, in denen meine Teilnehmenden von Deutsch/Schweizerdeutsch gepackt werden können. Man sagt sogar auf Schweizerdeutsch: Es ziet mir de Ärmel ine. Es zieht mir den Ärmel rein. Was nichts anderes bedeutet, als dass man von etwas völlig begeistert, gefangen ist. Und auch mir selber gegenüber toleranter zu sein: Fehler in der Jazzmusik? Fehler im Deutsch-Lernen und -Lehren? Wann sind denn Fehler Fehler und nicht einfach andere Wege nach Rom?

Und so schaue ich heute mit einem ganz anderen Bauchgefühl meinem Kurs entgegen – wenn er denn genug Teilnehmende haben sollte. Den bunten Mix als Chance begreifend, bunte Bilder gefallen mir eh besser. Und mit schwummriger, lampenfiebriger Vorfreude – gespannt auf all die Improvisationen, die da kommen werden.

Die Rolle von moodle? So viel wie möglich, aber nicht möglichst raffiniert, sondern den Teilnehmenden entsprechend. Und das kann je nach Sozialisation mit dem Medium auch „nur“ eine pdf-Schleuder sein 😉 Der Rest wird sich zeigen.

Berichte meiner Bauchlandungen und Höhenflüge werden folgen.

Ich lerne also bin ich

April 21, 2009

Wir haben keine Kinder.

So sind wir am Karfreitag mit unseren Nachbarn und ihren drei Kindern (6,4,2) ins Naturama Aarau gefahren. Sonderausstellung mit „Bibeli“ (Schweizerdeutsch = Küken) und Kaninchen, normale Ausstellung mit vielen verschiedenen Stationen, wo man selbst gesteuert etwas über den Kanton Aargau, seine Geografie, Topografie und Biologie lernen kann.

Ich sitze vor einem der computer-unterstützten Stationen und überlege mir noch, wie das Ganze funktionieren könnte. Nik – 2 Jahre alt – tappst freudig auf mich zu und ehe ich richtig weiss, wie mir eigentlich geschieht, sitzt er schon auf meinem Schoss. Der Touchscreen fasziniert ihn. Innerhalb kürzester Zeit trifft er intutitiv fast immer mit seinen kleinen Fingerchen das Dreieck, mit dem man sich auf die nächste Seite bewegt. Worauf er sich zu mir umdreht, mich anstrahlt und lachend „omputer“ sagt.

Nik und mein Mann

Ich bin hin und weg, lache, lächle, schmelze dahin, ziehe innerlich den Hut vor diesem Mini-Menschen. Wie oft bin ich mir selber im Weg gestanden. „Ich kann das nicht, habe doch nie einen Computer-Kurs gemacht, wo beginn ich überhaupt, ich mache das sicher völlig falsch und kompliziert.“

Was nehme ich mit: Kinder wollen lernen. Aber nicht nur Kinder. Wenn Lernen selbst bestimmt stattfindet, dann wollen wir’s wohl alle. Doch gerade dieses selbst bestimmt ist nicht so einfach und klar zu erreichen.

Ich will lernen. Ich will lernen was ich will. Vielleicht stürze ich mich deswegen so in meine aktuelle Weiterbildung, weil ich sie nicht auf mehr oder weniger deutliche Aufforderung besuche, sondern weil ich sie will. Und so geniesse ich risikoscheuer Angsthase es auch, mich auf fremde, neue Wege und Formen wie beispielsweise das Bloggen einzulassen.

A propos Bloggen. Als Teenager war ich fleissige Tagebuchschreiberin. Den Blog nehme ich dennoch als etwas Anderes wahr. Das Tagebuch war ganz klar und eindeutig ein Gespräch mit mir selber, der Blog hingegen ist ein Selbstgespräch mit dem Potential des Dialogs. Ich äussere zwar meine Gedanken und Erfahrungen in fast tagebuchartiger Form, schicke sie aber in den potentiell öffentlichen Raum hinaus. Ich kann gelesen werden – ich weiss aber nicht, ob das passiert. Ich lasse einen Ballon los, ich sehe ihn dort oben und weiss, dass er genommen werden könnte. Aber macht das jemand auch wirklich oder bleibt mein Ballon heisse Luft? Und diese Art Schwebezustand muss zuerst mal ausgehalten werden. Darum vielleicht meine „Ladehemmungen“ beim ersten Versuch.

Dann auch wirklich gelesen zu werden und Antworten zu bekommen hat Verschiedenes ausgelöst: Einerseits bares Erstaunen, obwohl ich ja wusste, dass das passieren kann. Aber „wissen“ und „erfahren“ sind doch verschiedene Dinge. Andererseits Freude über die Motivationsspritzen. Aber auch wenn ich nicht gelesen werde – zwischendurch würd‘ ich inzwischen wohl dennoch schreiben. Ballone fliegen zu lassen ist manchmal so oder so schön. Einfach um des Fliegens willen.

Was kann mir denn schon passieren? Höchstens, dass ich irgendwo einen Fehler mache. Und bekanntlicherweise sind ja Fehler auch nur ein Indikator dafür, wo wir im Lernprozess stehen.

Ich bin also lerne ich.

Darum: Ich bleibe dran.

Moni